Warum verprügeln der Feuilleton und Buchhändler Blogger verbal und hacken auf Ihnen herum?

In den letzten 2 Wochen wurden alleine 3 Beiträge in Zeitungen bzw. „professionellen“ online Medien veröffentlicht, die scheinbar nur ein Ziel hatten. Blogger verbal zu verprügeln. Ein anderer Ausdruck fällt mir dazu nicht ein.

Der freundlichste Beitrag ist am Freitag online auf dem Börsenblatt erschienen. Allerdings dort wo es wirklich interessant wird, bricht dieser ab. Ob in der Printausgabe mehr stehen wird, können Blogger in der Regel nicht überprüfen, denn die wenigsten werden ein Print Abo für 450 € oder aber online Abo für 190 € abschließen im Jahr. Die meisten Nachrichten die dieses Magazin behandelt sind so branchenintern das Blogger diese nur am Rande betreffen bzw. interessieren. In welche Richtung es geht, bleibt uns also nicht ganz klar. Der Ausgangspunkt ist allgemein positiver gestimmt, auch wenn hier von 200 mehr oder weniger aktiven Buchbloggern gesprochen wird. Eines ist sicher, es gibt weitaus mehr aktive Buchblogs als 200, wobei die Frage ist, wann ein Blog aktiv ist. Wie oft muss er neue Beiträge bringen, um als aktiv zu gelten. Was mich aber an diesen Beitrag eher störte, waren der eine oder andere Kommentar auf Facebook. Aber macht euch da selbst ein Bild.

Ein weiterer Beitrag, der auch schon am Freitag erschienen ist und auch auf dem Börsenblatt thematisierte, ob der Handel unter Blogger-Relations leidet. Es tut mir leid, wenn ich mal ein wenig verbal hier selbst nachtrete. Aber sollte man nicht anders herumfragen, ob der Handel nicht durch die Blogger profitiert? Wenn ein Verlag eine Werbeagentur beauftragt im Netz Werbung zu schalten kostet dies meist mehrere Tausend Euro. In dem Beitrag wird darüber diskutiert, ob die Buchhändler durch uns Blogger an Leseexemplare kommen. Tut mir leid, aber ist der Futterneid in der Branche echt so groß? Können sich Buchhändler, die meist ja den Beruf gewählt haben, weil sie Bücher lieben, nicht genauso, wie die meisten Blogger ihre Bücher kaufen? Es wäre ein glatte Lüge wenn ich behaupten würde, dass ich mich nicht freue, ab und zu ein Leseexemplar zu erhalten, aber 99 % meiner Bücher kaufe bzw. ertausche ich selbst. Ich gehe in Buchhandlungen genauso, wie ich einen Teil mir über das Netz bestelle. Ich habe eher das Problem regelmäßig aus Presseverteilern zu fliegen, weil ich nichts anfordere. Dabei freue ich mich in diesen zu sein, um schnell und einfach über Neuerscheinungen und auch Presseschwerpunkte der Verlage informiert zu sein. Ich weiß auch von vielen anderen Bloggern, die wenig bis gar keine Leseexemplare anfordern. Natürlich gibt es auch einige die es in meinen Augen maßlos ausnutzen und die Verlage ausbeuten diesbezüglich. Aber schwarze Schafe gibt es unter den Buchhändlern sicher auch. Ich habe schon mehrfach gehört das  Leseexemplare auch von diesen verkauft werden (Blogger machen das vereinzelt auch, leider). Gerade einige Aussagen von Buchhändlern wie z.b.  von Thomas Pagel von der Hähnelsche Buchhandlung in Hachenberg. Er schrieb:

Was die Blogs selbst angeht, gab es noch keinen Kunden bei uns, der wegen eines solchen Tipps ein Buch gekauft hat. Ich lese selbst Blogs und die meisten sind leider lausig schlecht. Da müssen sich die Verlage fragen, ob das wirklich Werbung für sie ist

Für mich stellt sich die Frage, ob er jeden Kunden fragt, aufgrund welches Tipps er ein Buch kauft. Und ob ein Blog gut oder schlecht ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Mit vielen Blogs kann ich persönlich auch nichts anfangen und doch werden sie gelesen. Verlage wägen, soweit ich das beurteilen kann, bei jedem Blog ab, ob dieser zu ihnen passt oder nicht, ich denke, das steht außer Frage. Auch wenn der finanzielle Einsatz für den Verlag bei einem einzelnen Blog nicht allzu groß sind, ist es doch die Masse, die ein Selektieren notwendig macht. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, denn sonst würde ich vorgreifen.

Der letzte Beitrag ist in der Onlineausgabe der Zeit, genau jener großen deutschen Tageszeitung erschienen. Hier geht es vor allen Dingen darum das Blogger oft erzählen, wie ihnen ein Buch gefallen hat. Also ganz persönlich und mit Emotionen, das die meisten nicht darauf eingehen wie gut oder schlecht stilistisch ein Buch ist. Nicht grammatikalische Ausreißer rügen oder anderes, für Literaturkritiker wichtige Details, anmahnen. Vielmehr stört die Zeit, dass wir Bücher anpreisen, wie den Bereich kurz vor den Supermarktkassen wo man allerlei Lockware findet. Wir zeigen was wir haben und worauf wir uns freuen in der nächsten Zeit. Zudem stört die Zeit das wir eher nacherzählen worum es in dem Buch, das wir gerade ja so sehr lieben, geht anstatt uns damit auseinander zu setzten.

Liebe Zeit, nun ein paar ganz persönliche Worte an dich. Weißt du eigentlich, was Blogger sind und was sie tun? Sicherlich, denn du nimmst dir ja das Recht heraus uns verbal zu verprügeln, uns niederzumachen und unser tun. Ich habe mich gefragt, warum du das tust. Könnte es sein das deine Feuilletonisten angst haben das Blogs mehr gelesen werden als deren Beiträge? Vielleicht weil wir lesen, können worauf wir Lust haben und uns immer überlegen können, wenn uns ein Buch nicht zu sagt, entweder gar kein Wort darüber zu verlieren oder auch diese Meinung kundzutun. Wir können die Bücher sogar bei Seite legen ohne das wir ein schlechtes gewissen haben müssen. Wie wäre es mal mit einem Dialog zusammen  mit Bloggern. Sicher gibt es hier große Unterschiede. Viele sind jung und besprechen Bücher mit denen du und auch ich nichts anfangen können. Aber es gibt auch jene die Literatur besprechen die selbst ich nicht immer lesen muss, da lesen für mich ein Hobby darstellt. Eine Art zu entspannen. Vielleicht könnte man ja lieber miteinander reden statt übereinander. Wir Blogger respektieren den Feuilleton doch auch, warum könnt ihr uns nicht denselben Respekt entgegen bringen? Ist es so schwer für euch von eurem Ross runter zu kommen? Wir Blogger möchten auf eine ganz persönliche Art und weise anderen Menschen von Büchern erzählen, die wir gelesen haben. Stell dir das so vor, als ob du einer Freundin etwas erzählst. Das ist, das was wir Blogger wollen, die meisten zumindest. Wir wollen dem Feuilleton nicht den Platz streitig machen, sondern vielmehr eine Alternative für all diejenigen bieten die damit nichts anfangen können. Wir wollen Menschen das Lesen näher bringen. Verstehst du? Wir wollen gar nicht wie ihr sein. Deshalb bringt es auch nichts, wenn ihr uns verbal verprügelt.

Diese drei Artikel waren der Grund, warum ich diesen Beitrag schreiben musste und ich bin leider noch nicht am Ende. Es gibt viele tolle Kooperationen zwischen Buchhändlern und Bloggern inzwischen, die negativen Meinungen sind meistens eher rar gesät. Leider guckt meine Buchhandlung um die Ecke bei dem Wort Blogger auch immer so, als ob das eine ansteckende Krankheit ist. Auch gibt es Zeitungen, die sich bei Bloggern bedienen, es kann also doch nicht alles so schlecht sein, wie immer geschimpft wird. Ein aktuelles Beispiel findet ihr hier. Ich empfinde, als traurig das wir ständig öffentlich so dermaßen verprügelt werden, es sind ja „nur“ Blogger, das dahinter aber auch Menschen stehen die für ihr Hobby jeden Monat viel Geld und Zeit investieren um seinen Lesern immer neuen Content zu liefern wird oft vergessen. Sicher gibt es viele Blogs, die keine 1000 Besucher im  Monat haben, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es auch Blogger gibt, die jeden Monat durchschnittlich 30 000 oder mehr Leser haben. Für die Zukunft wünsche ich mir persönlich das der Feuilleton und auch die Buchhändler weniger skeptisch uns gegenüber sind und uns respektieren so, wie wir sind. Bunt, schrill und unterschiedlich. Man muss nicht jeden Blog mögen, man muss nicht alles lesen, aber man sollte immer daran denken, dass wir alle dasselbe wollen. Wir wollen Menschen Bücher ans Herz legen und dies sollten wir gemeinsam tun, jeder auf seine Art.

6 Gedanken zu „Warum verprügeln der Feuilleton und Buchhändler Blogger verbal und hacken auf Ihnen herum?

  1. Ich würde über diese Artikel lachen, wenn ich nicht so geschockt wäre.
    Neid ist eine der schlechtesten Eigenschaften der Menschen wie es scheint und noch viel schlimmer finde ich die Arroganz.

    Liebe Pudelmütze, ich kann bei deinem Artikel genauso unterschreiben!

    Weil in dem Artikel der „Zeit“ über die mangelnde Grammatik und co gesprochen wird, fällt mir eine Szene aus meiner nicht sehr fernen Schulzeit ein:
    Meine DEUTSCHLehrerin hat selbst gesagt, dass die Grammatik ein Fuchs ist, sie kann regeltechnisch stimmen, aber kein Mensch würde das genauso lesen wollen.
    So meine Frage: Was ist so schlimm daran, wenn man mehr auf die Charaktere eingeht, als auf den Textaufbau? Wenn der Text flüssig zu lesen ist und ein Satz keine 15 Zeilen lang ist, dann ist es schon einmal ein Pluspunkt. Immerhin will man in die Handlung eintauchen und nicht die Grammatik studieren (geht mir jedenfalls so). Aber vermutlich vergessen die Buchhändler und Journalisten das wichtigste dabei: Es ist von den meisten Buchbloggern ein Hobby!
    Wir lesen, weil es uns Spaß macht und nicht, weil wir Geld damit verdienen wollen.
    Warum sollen wir uns mit einem Buch auseinandersetzen, wo man (übertrieben gesprochen) jeden Satz 2x lesen muss, weil der Satzbau kompliziert, aber so akademisch ist. Lesen soll Spaß machen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Wenn ich die Beiträge so lese, kann ich nur den Kopf schütteln. Es ist so lächerlich, dass sich gestandene Journalisten oder Buchhändler wegen „kleine“ Blogger auf den Schlipps getreten fühlen, anders kann ich mir die Beiträge nicht vorstellen.

    Neue Bücher kaufe ich mir regelmäßig bei meiner Buchhändlerin des Vertrauens und die weiß nicht, dass ich Buchblogger bin bzw. meine Tipps aus dem Netz hole. Und wir reden WIRKLICH miteinander. Wie wollen das dann Buchhändler bewerten, die kaum ein Wort mit ihren Kunden wechseln?

    Ach egal…es wird ein „Aufreger“-Thema bleiben bis das Internet von einem neuen Medium abgelöst wird…Es wird immer Neider geben, die nicht verstehen, warum Blogger das tun.
    Man kann nur versuchen den Kopf zu heben und darüberzustehen.
    Hauptsache WIR Blogger halten zusammen ;D

    Alles Liebe,
    Tiana

  2. Amen. Liebe Pudelmütze,

    ein wunderbarer Artikel! Ich denke auch, dass die „Debatte“ recht unnütz ist denn -ich spreche hier nur für mich- mein Ziel als Bloggerin ist weder Starreporterin zu werden, noch die etablierten Zeitungen anzugreifen, noch mich zu bereichern. Es ist ein Hobby. Ein sehr schönes. Und ja, Leseexemplare sind eine wirklich tolle Sache, aber fair. Finde ich. Denn in anderen Branchen „verdienen“ Blogger viel mehr (nicht, dass es mir darum ginge!!) und da ist ein Sachwert im Austausch gegen „Arbeit“ doch absolut okay und letztendlich Verlagssache. Wenn die das wollen, dürfen sie das. Wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung.

    LG, Mary <3
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/

  3. Huhu 🙂

    Kurz und knapp: dein Beitrag ist super und ich wollte nicht kommentarlos gehen! Es ist ärgerlich, wie unser Tun heruntergesetzt wird und wie man sich über uns auslässt , ohne die andere Seite genauer zu beleuchten (schlechte Recherche liebe Zeit). Das und unsere Beweggründe fängst du super ein!

    Für mich hat der Ärger allerdings schon zur letzten LBM angefangen. Erinnert ihr euch noch an die Blogger Patenschaft? Ein Autor hielt das für so unsinnig, dass er sich noch nicht einmal mit seinem Paten in Verbindung gesetzt hatte. Wir seien kurzlebig und verliefen uns ohnehin bald alle im Sand.

    Was ist die beste Antwort auf solche Aussagen? Nun ich bin immer noch hier. Wir alle sind es und werden es auch so lange sein, wie wir wollen. Und das weil wir Spaß daran haben 🙂

    Liebe Grüße ?

  4. Mich hat dieser Artikel in der Zeit sehr geärgert, weil ich ein solches elitäre Gehabe überhaupt nicht akzeptieren kann. Den Beitrag aus dem Börsenblatt kenne ich zum Glück gar nicht. Unterm Strich kann ich diese ganze Aufregung nur so interpretieren, dass die Buchblogger eine ernste Konkurrenz zu den „richtigen“ Rezensenten sind.
    LG Sabienes

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