Rezension: Inselsommer von Gabriella Engelmann

Titel:Inselsommer
Autor:Gabriella Engelmann
Erscheinungsdatum:Mai 2013
ISBN:978-3426511459
Seitenanzahl:432
Verlag:Knaur TB

Klapptext:
»Kommen Sie uns jederzeit in Keitum besuchen, und bleiben Sie, solange Sie wollen.« Immer wieder liest die 45-Jährige Hamburger Galeristin Paula die Einladung auf der hübschen Karte mit dem reetgedeckten Haus, der friesisch blau gestrichenen Tür, romantisch umrankt von Sylter Rosen. Seit Wochen geht ihr der wesentlich jüngere Vincent, der sie so offen umschwärmt, nicht aus dem Kopf. Dabei ist sie doch glücklich in ihrer Ehe mit Patrick – oder ist es nur die Gewohnheit, die da spricht? Soll sie einen Neuanfang wagen oder festhalten, was sie hat? Ein Inselurlaub als Gast der Buchhändlerin Bea und deren Nichte Larissa soll helfen, Klarheit in Paulas Gedanken und Gefühle zu bringen …

Fazit:
Als Bloggerin hat man immer mal wieder das Problem etwas schreiben zu müssen was man eigentlich nicht so will. Heute z.B. muss ich einen „verriss“ über ein Buch schreiben dessen Autorin super lieb ist und die ich sehr schätze, zudem haben mir 99% ihrer Romane auch bisher gefallen. Sogar ihren Schreibstil mag ich, auch in diesem Buch und dennoch hat es mich rein Inhaltlich nicht überzeugt. Vielleicht bewerte ich sie sogar anders als andere Autoren, strenger. Meine Ansprüche sind gefühlt höher als bei Autoren von denen ich noch nichts gelesen habe.

Liebe Gabriella, dies ist hier eine meiner schwersten Rezensionen und ich muss sie leider komplett ohne Ironie verfassen.

Ich weiß heute gar nicht wie ich zu ihrem ersten Inselroman „Inselzauber“ gekommen bin, zumindest hatte der mich damals sehr verzaubert, die Art wie Gabriella diesen geschrieben hatte. Die Art und Weise wie sie die Orte beschrieb. Ich war hin und weg. Deshalb freute ich mich auch als nun endlich Anfang Mai diesen Jahres „Inselsommer“ raus kam und ich neuen Lesestoff von der Insel bekam auf der ich zwar noch nie war, aber gefühlt kannte wie meine Westentasche. Ich hatte den Roman sogar gewonnen! Ich weiß gar nicht mehr worum es ging, aber Gabriella verloste einige Exemplare. Es ging, glaube ich, um den Namen der Kindergruppe oder irgendetwas ähnliches was mit dem Buch in Zusammenhang stand. Daher freute ich mich doppelt auf dieses Buch.

Aber die Freude verging mir bereits auf den ersten Seiten, es fehlte der Zauber, das was „einen Engelmann“ ausmacht. Diese „gehobene Leichtigkeit“. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben sollte, ich spürte nicht die Liebe mit denen die Worte auf das Papier geströmt sind, diese Magie des ersten Inselromans war einem Schema gewichen. Auch wenn die Story eine andere war, die Techniken waren identisch. Ich konnte mich kein zweites Mal in eine Insel verlieben auf der ich noch nie war. Auch nicht die alte Liebe auffrischen. Die Story selbst war mir am Anfang sogar teilweise zu Konfus. Ich kam oftmals nicht mit und verlor rasch das Interesse weiter zu lesen und rutschte so in eine ganz massive Leseflaute. Ich sah jeden Abend dieses Buch auf meinem Nachttisch und griff nicht zu, stattdessen hörte ich lieber Hörbücher, nur um nicht DIESES Buch lesen zu müssen. Es hört sich hart an, war aber wirklich so. Vor ein paar Wochen habe ich mich nun selbst gezwungen die letzten 250 Seiten zu lesen und ich fühlte mich zwar einerseits Unterhalten, andererseits hatte ich aber auch immer mal wieder das Gefühl das verarscht werde. Denn ich verglich Stilistisch immer mit dem ersten Roman und da hatte ich das Gefühl das einfach ein paar Situationen ausgetauscht worden waren und ein paar Figuren. Es war kaum was Neues dabei. Es wollte sich nicht dieses „Boah“ Gefühl einstellen. Vermutlich kollidiert hier aber auch meine blühende Fantasie mit den Möglichkeiten einer Insel wenn es kein Krimi werden soll.

Die Story selbst entwuselte sich übrigens langsam nach den ersten, gefühlten, 100 Seiten. Ich kam rein wer, wer ist und wer wo wohnte und wer welche Rolle zugedacht bekommen hat. Da Paula, die Hauptfigur, Kontakte in Hamburg wie auf der Insel hatte gab es da Anfangs ein ziemliches Durcheinander. Danach floss es so vor sich hin. Zum Ende hin dachte ich nur wieder „typisch Frauenroman“ denn viele Probleme lösten sich ohne dass die Protagonisten etwas tun mussten und das Glück war ihnen hold. Liebe Gabriella, ergeht es dir immer so? Mal ehrlich, ich weiß dass zwar das man in Büchern auch mal ein wenig an der Wahrheit vorbeischreiben darf, aber wie wäre es mit etwas mehr Realität. Es gibt Momente da klappt nicht alles wie am Schnürchen und man muss schon mal einen Winter im Pavillon frieren oder sonst etwas. Wobei… schlecht Wetter kommt bei dir ja sehr selten vor. Im Schnitt gibt es in den Monaten Mai bis August 37 Regentage auf Sylt. In deinem Roman kommen wir vielleicht auf 5 oder 6 nicht so schöne Tage. Klar kann man Figuren bei gutem Wetter mehr machen lassen, aber gerade das Raue Wetter macht so eine Insel doch auch aus. Es sind Kleinigkeiten die mich gestört haben, Dinge die man unter „künstlerische Freiheit“ setzten kann. Aber sie alle zusammen haben mein Lesevergnügen massiv gedrückt. Auch wenn ich auf der anderen Seite Wissen wollte wie es weiter geht. Weniger wg. dem Buch, mehr um zu wissen was du dir, liebe Gabriella, ausgedacht hast.

Ich möchte mich hier jetzt nicht weiter verlieren. Grundsätzlich sei nochmals erwähnt, Handwerklich ist dieses Buch in der Romansparte sehr gut geschrieben, auch die Geschichte ist jetzt nicht von schlechten Eltern. Nur mich persönlich konnte sie so gar nicht überzeugen oder fesseln.

Daher habe ich mich auch entschlossen eine Wertung zu wählen die diese beiden Faktoren beinhaltet. Handwerklich ist es eine 4-5, meine persönliche Meinung liegt bei 1-2 Mützen

Macht einen ungefähren Schnitt von:

MützeMützeMütze


4 thoughts on “Rezension: Inselsommer von Gabriella Engelmann

  1. Als du einen Verriss angekündigt hast, habe ich mich auf eine schlimme Bewertung eingestellt. Aber drei Mützen geht ja doch noch. Und deine Kritik ist nachvollziehbar. Ich selbst habe das Buch auch schlechter als das erste bewertet. Ich denke allerdings, dass dieser Roman zu jener Sorte gehört, die man unbedingt in der richtigen Stimmung lesen muss. Sonst wirken sie fade, einfallslos oder gar nervig.

    • Wie ich schon schrieb, rein vom mögen her ist es eine 1-2, ich rechne aber noch das Handwerkliche mit rein. So komm ich noch auf 3. Und es stimmt, man muss für so ein Buch in der richtigen Stimmung sein, ich zumindest.

  2. Uff, dass nenn ich mal einen kritischen Blickwinkel!
    Ich selbst breche Bücher immer ab wenn sie derart zur Qual werden 
    Nun zu Deiner Begründung. Genau das ist es, warum ich hin und wieder diese Inselromane lesen muss. Ich brauche einfach manchmal diese „Frieden, Freude, Eierkuchen Welt“. Da darf es dann ruhig mal übertrieben harmonisch sein. Aus diesem Grund kann ich solche Romane auch nicht jederzeit lesen, sondern brauche die Stimmung dafür, den richtigen Zeitpunkt. Ich hatte auch schon mal das mir ein Hörbuch von Gabriella nicht so gut gefiel aber das kam bisher einmal vor. Ich persönlich ziehe einfach die Inselromane vor 
    Dennoch kann ich verstehen, worauf Du hinaus willst und ich finde es gut das Du auch wirklich argumentierst, was Dich gestört hat. Ich wünsch Dir einen schönen Nikolaus und einen guten Start ins Wochenende,
    LG Ela

    • Ich normalerweise auch, aber hier hat mich die Autorin nicht in Ruhe gelassen. Also nicht das Gabriella genervt hätte, mehr war es das was ich schon beschrieben habe. Ich wollte wissen was sie sie ausgedacht hat.

      Und ja eigentlich mag ich diese “heile Welt” auch, zum flüchten, aber hier passte es so gar nicht irgendwie… hmmm

      Ich wünsche dir auch noch einen schönen Nikolaus.

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