Interview mit Alessandra Reß

Wer bist du?

Mein Name ist Alessandra Reß. Die Frage, wer ich bin, sorgt regelmäßig für Fragezeichen in meinem Kopf, aber wenn ich sage, eine 24 Jahre alte Studentin und nebenberufliche Autorin aus dem Rheinland zu sein, nähern wir uns der Antwort vermutlich schon mal an.

Welche Art von Büchern schreibst du?

Alle meiner bislang veröffentlichten Geschichten, ungeachtet der Länge, waren der Phantastik zuzuordnen. Mein 2013 im Art Skript Phantastik-Verlag veröffentlichter Roman „Vor meiner Ewigkeit“ wird meistens der Dark oder Urban Fantasy zugerechnet, manche bezeichnen ihn auch als Vampirroman.

Wie viele Bücher hast du bisher veröffentlicht und welches war, deiner Meinung nach, dein Bestes?

Wenn ich Beteiligungen in Anthologien und ähnlichem ausklammere, habe ich erst ein Buch veröffentlicht, nämlich das bereits genannte „Vor meiner Ewigkeit“. Im Zentrum dessen steht der Kampf eines Studenten gegen die dunkleren Seiten seines Selbst in einer unter anderem von Geistern und Vampiren bevölkerten Stadt.

Woran schreibst du gerade, worauf dürfen wir uns freuen? Magst du uns ein paar Zeilen deines aktuellen Manuskripts hier zeigen?

Im Moment arbeite ich an drei Sachen parallel: Einem eigenständigen Projekt, einem Roman zu einer bestehenden Serie und einer Kurzgeschichte. Besagtes eigenständiges Projekt beschäftigt sich mit verschiedenen Realitäts- und Simulationsebenen, einer Sache, mit der ich mich in den letzten ein, zwei Jahren gerne auseinandergesetzt habe (auch wenn keiner fürchten muss, dass ich versuche, ihm Baudrillard für Anfänger oder so was unterzujubeln ;)). Ein Zitat daraus, das eine der für mich relevanten Hauptthematiken ganz gut umschreibt, ist dieses:

Sie wollen uns damit sagen, der Auffassung zu sein, es gebe im Grunde keinen Unterschied zwischen den Virtuellen und uns“, hörte ich mich sagen, während ich mich gleichzeitig fragte, warum ich verdammt nochmal nicht einfach mit den Schultern gezuckt hatte. „Sie leben genauso wie wir, wir fühlen uns den Virtuellen jedoch überlegen, weil wir wissen, dass wir alles mit ihnen anstellen können. Wir können sie […] einfach sterben lassen oder an ihren Informationen solange rumschrauben, bis sie selbst vergessen, wer sie sind. Aber der Gedanke, es könne Götter geben, die mit uns dasselbe machen und die Erkenntnis, wie wenig wir das mögen würden, sollte uns davon abhalten, mit den Virtuellen allzu sehr zu spielen.“

Über welches Lob hast du dich, in Bezug auf deine Bücher, bisher am meisten gefreut und von wem kam es?

In einer Leserunde auf Lovelybooks zu „Vor meiner Ewigkeit“ gab es eine Teilnehmerin, die von dem Buch ziemlich begeistert war. Einmal hat sie geschrieben, das Buch sei „so unglaublich reichhaltig an Tiefe […] Es zwingt mich, über mein Leben nachzudenken, über den Sinn […]“ . Also da war ich doch sehr geschmeichelt, denn viel mehr kann man sich als Autor ja eigentlich nicht wünschen! Aber allgemein freut es mich immer sehr, wenn mein Buch als „nachdenklich“ oder „abseits des Mainstreams“ oder ähnliches bezeichnet wird. Mein Ziel war es nicht, ein hochphilosophisches Indiebuch zu schreiben, und ich glaube auch nicht, dass es das geworden ist. Aber wenn es Leute zum Nachdenken anregt und es (positiv) aus der Masse hervorsticht, ist das doch was sehr Schönes! 🙂

Wie wichtig ist für dich persönlich der Austausch mit deinen Lesern?

Ich freue mich sehr über Leserreaktionen und Diskussionen mit ihnen. Schließlich veröffentliche ich, um mit anderen meine Gedanken und Phantasien teilen zu können. Mir macht es Spaß, mich mit anderen über den Inhalt zu unterhalten und es ist interessant, wie die Leser die einzelnen Stellen aufnehmen und interpretieren. Ich bin eh so jemand, der sich gerne über Bücher, Filme, Games etc. austauscht. Davon abgesehen hilft es mir natürlich auch, wenn ich weiß, was gut und was vielleicht weniger gut ankommt.

Wie gehst du mit negativen Reaktionen zu deinen Büchern um?

Bisher halten sich die negativen Reaktionen zum Glück sehr in Grenzen, deshalb habe ich bisher kein großes Problem damit gehabt, wenn sachlich Kritik kam. Manche Kritikpunkte finde ich durchaus berechtigt, und versuche sie deshalb bei aktuellen Arbeiten zu berücksichtigen. Gelegentlich kommt es aber auch vor, dass etwas kritisiert wird, was mir persönlich eigentlich gerade gut gefällt, da fange ich schon mal an, ein wenig drüber zu diskutieren. Interessant wird es auch, wenn jemand etwas kritisiert, was von einem anderen Leser positiv herausgestellt wird. So oder so zeigt es mir, dass sich jemand mit meinem Roman oder auch den Kurzgeschichten auseinandergesetzt hat, und das ist ja schon mal was.

Was sind deine drei größten schwächen in Bezug auf dein schreiben?

Ich schreibe, wie ich spreche. Eigentlich finde ich das nicht so problematisch und bisher kommt mein Schreibstil anscheinend auch gut an, aber es hat auch Nachteile: Zum einen benutze ich manchmal plötzlich Fremdwörter in sonst völlig umgangssprachlichen Absätzen. Ich denke mir da nichts Besonderes bei, die verirren sich eben manchmal in meine Texte. Aber wenn ich aus der Ich-Perspektive schreibe, was meistens der Fall ist, wirkt es, als sei da ein Bruch in der Figurendarstellung. Ähnlich ist es mit der Verschachtelung von Sätzen. Bei der Überarbeitung werden deshalb Fremdwörter und Verschachtelungen eliminiert beziehungsweise inzwischen bemühe ich mich auch stärker, den einzelnen Figuren sprachliche Eigenheiten zuzugestehen. Denn ein dritter Schwachpunkt bei mir ist zumindest in „Vor meiner Ewigkeit“, dass manche Nebenfiguren zu wenige für sie stehende Eigenheiten haben. Das wurmt mich ziemlich, weil mir Figuren beim Lesen sehr wichtig sind, und gerade Nebenfiguren entwickeln sich ja oft zu heimlichen Lieblingen. Sicher muss nicht jede Nebenfigur ultra detailreich ausgearbeitet sein – dann läuft man wieder Gefahr, sich in Andeutungen und Nebensächlichkeiten zu verlieren –, aber wenn Figuren sich ähneln, ist das ärgerlich. Also bemühe ich mich da inzwischen auch um stärkere Individualisierung bei den Nebenfiguren. 😉

Ob das meine drei größten Schwächen sind, kann ich nicht genau sagen, aber das sind so solche, an denen ich aktuell zu arbeiten versuche.

Wie wichtig sind für dich Buchblogs, so wie dieser hier? Siehst du Blogs nur als gute „Werbeplattform“ für dein an, was wir zweifelsohne sicher sind, oder stöberst du auf solchen auch gerne mal selbst ein wenig?

Es gibt einige Bücherblogs, denen ich über Blogger folge und daneben noch ein paar, auf denen ich wie auf Online-Magazinen regelmäßig vorbeischaue. Als Werbeplattformen habe ich sie eigentlich erst kürzlich entdeckt (von meinem eigenen Blog und Blog-Rezis mal abgesehen), hauptsächlich lese ich sie einfach wirklich gerne. Allerdings ist mir aufgefallen, dass mich Rezensionen vor allem dann interessieren, wenn ich das betreffende Buch selbst schon gelesen habe. Was dem erhofften Werbeeffekt natürlich etwas zuwider läuft, aber vielleicht ist das ja auch nur eine Eigenart von mir. 😉

Welchen Fakt wussten deine Leser bisher noch nicht über dich?

Oh je, zu viel Auswahl. 😀 Hm, ich denke, es dürfte für die meisten neu sein, dass ich mal den zweiten Platz einer Trend-Ausschreibung dafür erlangt habe, einem Shop vorgeschlagen zu haben, Burgertelefone wie aus „Juno“ zu verkaufen.

2 Gedanken zu “Interview mit Alessandra Reß

  1. Hallo Pudelmütze,

    so da bin ich wieder….
    Die Fragezeichen..bei „Wer bin ich?“ waren ja fast klar oder? Augenzwickern, aber die Autorin Alessandra Reß hat diese Hürde sehr gut gemeistert , wie ich finde .

    Und so ist ein interessantes und vor allem informatives Interview entstanden. Außerdem war es kurz und knackig , was Frage und Antwort betraf. Ich persönlich finde es immer gut, wenn das Interview überschaubar bleibt, also nicht eine gewisse Überlänge hat.
    In der Kürze liegt die Würze und genau so hat es mir gefallen.

    Vielleicht könnte man optisch noch ein Buch/Cover der Autorin mit einbringen, könnte ich mir gut vorstellen. Auf der anderen Seite könnte es auch den Rahmen sprengen….
    Wäre halt einfach noch eine Idee von mir.

    LG..Karin..

    1. Soll ich dir mal etwas sagen, die Idee mit den Buchcovern ist toll, ich werde sie die Tage einbinden. Momentan verlangt Blogger schenken Lesefreude und werliestwannwo.de sehr viel Aufmerksamkeit. Aber sobald ich es schaffe mach ich es sofort!

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