Gabriella Engelmann – oder auch das längste Interview aller Zeiten…

Gerade ist ihr neues Buch „Im Pyjama um halb vier“ erschienen welches sie in Zusammenarbeit mit Jakob M. Leonhardt herausgebracht hat. Sie ist diejenige, die beim Arena Verlag einige klassische Märchen in ein neues Gewand gebracht hat, aber mich auch schon nach Sylt entführt hat. Ich spreche natürlich von Gabriella Engelmann, meiner persönlichen Märchenfee und eine meiner liebsten Autorinnen.

Vor ungefähr einem Jahr ist die Idee zu diesem Interview entstanden, es sollte eigentlich schon veröffentlicht werden, als ihr „Rotkäppchen“ raus kam. Aber da es kein normales Interview ist und es keine 08/15 Fragen sind hat eben alles ein wenig länger gedauert, aber umso mehr freue ich mich es euch endlich präsentieren zu dürfen.

Bevor ich euch nun aber mit dem Interview alleine lasse, lasst euch gesagt sein, morgen gibt es die Rezension zu „Im Pyjama um halb vier“.

Friedrich Schiller hatte in seinem Schreibtisch einen verfaulten Apfel liegen als Inspiration. Immer wenn er nicht weiterwusste, hat er den Duft tief eingeatmet. Was liegt auf deinem Schreibtisch als Inspiration? Besonders in Bezug auf deine Märchen? Frösche? Vergiftete Äpfel? Oder das Handbuch der Gifte?

Ich brauche zum Schreiben nichts anderes als meinen Kopf, meine Fantasie, mein Herz – und meinen Laptop.

 

Stell dir mal vor du bist nicht die Autorin deiner Bücher, sondern eine ganz normale Leserin. Welches deiner Bücher ist dir deiner Meinung nach am besten gelungen, also welches Buch würdest du als unbedingten Lesetipp weitergeben?

Grundsätzlich finde ich es sehr schwer, etwas zu meinen eigenen Büchern zu sagen. Außer folgendes: Bei meinem Young Adults-Roman „Schluss mit lustig“ (Rowohlt Verlag) habe ich mich für meine Begriffe „frei geschrieben“ und mit einem Thema beschäftigt, das uns wohl alle umtreibt. Das Buch ist temporeich, ironisch, hat ein cooles Setting und meinen liebsten Einstiegssatz überhaupt. Schade, dass es zur selben Zeit wie die Märchen erschienen und dadurch weitgehend untergegangen ist …

 

Welches deiner Bücher ist deiner Meinung nach das schlechteste? Also wenn du heute zurück denkst, welches hättest du am liebsten nie geschrieben?

Nee, gemein finde ich die nicht – sondern spannend! Ich will zwar nicht mein Debüt „Die Promijägerin“ schlechtmachen, weil sie mein erstes Buchbaby war, und ich den Roman immer noch dafür liebe. Aber natürlich sehe ich dem Text nach dieser langen Zeit an, dass er eben mein Erstling war – und wünschte manchmal, ich könnte ihn ein wenig ummodeln.

Das geht mir allerdings mit allen Büchern so – je länger ich schreibe desto eher denke ich im Nachhinein: Ach hättste doch …. aber: Ich weiß, dass ich unter den gegebenen Umständen immer alles gebe, wozu ich zu dem Zeitpunkt in der Lage bin.

Und so will ich es auch in Zukunft gern halten.

 

Ich habe nach dir natürlich auch ein wenig gegoogelt und habe deinen Namen auch mal bei der Deutschen Nationalbibliothek eingegeben, dabei habe ich gesehen das du nicht zur Jugend- und Erwachsenenliteratur verfasst hast, sondern auch Kinderbücher. Daher würde ich gerne mal wissen was dir am meisten Spaß bringt? Schreibst du lieber für die große, die kleinen oder die dazwischen?

Eigentlich mag ich alles, was ich gerade mache, bzw. schreibe. Zum Glück war ich bislang in der privilegierten Situation, nur das zu tun, wohinter ich wirklich stehen kann. Allerdings habe ich meine allerersten Schritte im Bereich Kinderbuch noch zu der Zeit gemacht, als ich im Verlag als Lektorin gearbeitet habe. Da gehörte es unter anderem durchaus mal zu meinen Aufgaben, kleinere Texte zu Themen wie „Zoo“, „Baustelle“ oder Bauernhof zu schreiben. Gerade die eher technisch orientierten Geschichten haben mich anfangs nicht gerade HURRA! schreien lassen. Aber ich finde: Je mehr man sich auf etwas einlässt und damit beschäftigt, desto interessanter wird es! Grundsätzlich liebe ich es einfach zu erzählen und zu unterhalten – und das mache ich für jede Altersklasse gleich gern

 

Ich habe gesehen dass du „Literaturscout“ bist. Magst du uns mal erzählen was das genau ist und was du da machst?

Das ist ein Bereich, den ich leider im letzten Jahr aus Zeitmangel zurück schrauben musste.

Als Scout arbeite ich in Kooperation mit Literaturagenturen, was konkret bedeutet, dass ich Autoren coache, Projekte mit ihnen zusammen entwickle und den Text ggf. auch lektoriere. Für den ganzen Vertragskram, Akquisition etc. ist allerdings ausschließlich die Agentur zuständig. Ich freue ich jedes Mal, wenn ein Buch aus meinem Scout-Bereich erscheint und ich diesem Pflänzchen ganz im Geheimen beim Waschen zusehen darf.

Schickt mir jetzt aber bitte, bitte keine Anfragen oder Manuskripte, denn ich habe Aufnahmenstopp!

 

Dein letzter Märchenband ist ja gerade raus gekommen, ich habe dir ja immer vorgeworfen das du die unter Drogen geschrieben haben musst, ich frage mich immer wie du es geschafft hast aus einem Märchen das nur ein paar Seiten dick ist ein ganzes Buch zu machen? Woher hast du die Ideen genommen die Seiten spannend zu gestalten und das Märchen aber nicht aus den Augen zu verlieren so das es am Ende auch wieder erkannt werden konnte?

Tja, das frage ich mich auch allmählich. Fünf Märchen innerhalb von zweieinhalb Jahren zu schreiben, war eine ganz besondere Erfahrung … Zu Anfang dachte ich immer: Das schaffe ich nie. Die Geschichte umfasst im Original gerade mal zwei bis drei Buchseiten, wie sollen daraus 200 werden? Doch je intensiver ich mich in das Märchen kniete, desto mehr sprudelten die Ideen. Zum Glück ;-). Außer Tee, Kaffee, Schokolade und ab und zu ein Keks waren aber keine Drogen im Spiel …

 

Du kennst den Buchmarkt ja aus verschiedenen Perspektiven, welche davon gefällt dir persönlich am besten? Die des Lesers? Des Autors? Der Lektorin? Oder gar als Buchhändlerin?

Ich gebe zu, dass ich den Beruf der Buchhändlerin ab und zu vermisse, obwohl das zurzeit bestimmt kein Honigschlecken ist. Aber ich habe es immer schon geliebt, Kunden genau DAS Buch aus dem großen Sortiment herauszusuchen, von dem ich glaubte, es würde ihn glücklich machen. Es kommt nicht gerade selten vor, dass ich mich einmische, wenn ich in einer Buchhandlung bin und mitbekomme, dass da jemand gerade in der Beratung nicht weiter kommt, ich aber das passende Buch im Hinterkopf habe. Kommt nicht immer gut an, aber ich kann häufig einfach nicht anders 😉

 

Ich folge dir ja auch Facebook und habe auch deine Lesung in Leipzig auf der Buchmesse verfolgt. Dabei habe ich natürlich den Rummel um deine Person bemerkt. Ich finde es toll wie natürlich du bleibst frage mich aber gleichzeitig wie du diesen Rummel empfindest? Es gibt viele Leser die deine Bücher lieben, die Regelrecht Fans von dir sind und immer wieder auf etwas Neues von dir warten, ähnlich wie bei einem Rockstar. Wird dir das nicht manchmal zuviel mit uns? Kannst du überhaupt noch in Hamburg auf die Straße gehen ohne gleich doch von irgendwem angesprochen zu werden? (Und nein ich meine NICHT deinen Gemüsemann!)

Rockstar, lustig ;-), Nö, momentan kann ich prima durch die Stadt gehen, ohne dass was passiert. Wenn mich einer was fragt, dann meist nach dem Weg oder so. Was die große Resonanz auf Messen etc. betrifft, so zwicke ich mich meist immer noch heimlich und frage mich ganz verblüfft: Meinen die wirklich MICH? Dann schaue ich mich und gucke, ob da evtl. jemand hinter mir steht, zum Beispiel Kerstin Gier …. Nein, es wird mir überhaupt nicht zu viel „mit euch“, denn ich mag ja gerade den persönlichen Austausch und suche ihn auch ganz bewusst, wie zum Beispiel beim Bloggertreffen in Hamburg, wo du ja auch warst. Aber ich spüre ganz deutlich, dass Zeit und Konzentration fürs Schreiben fehlen … da suche ich immer noch nach der Balance. Mal sehen, wie das in Zukunft so wird, denn das Schreiben sollte schon Vorrang habe – und dafür brauche ich Zeit, Muße und Ruhe.

Ein Gedanke zu “Gabriella Engelmann – oder auch das längste Interview aller Zeiten…

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