Blogger, auf Augenhöhe mit Verlagen, Autoren und Agenturen? Von wegen!

Diesen Beitrag habe ich vor ein paar Monaten mal angefangen zu schreiben. Warum ich ihn wieder ausgrabe? Vor ein paar Tagen habe ich eine besonders „lustige“ Anfrage in einer Buchgruppe auf Facebook von einer Neugründerin gesehen wo ich nur noch *KopfWand* denken konnte. Aber sie war nicht der alleinige Ausschlag, sondern auch wieder einige Mails von Agenturen wo ich nur dachte was das soll. Meine damalige Motivation diesen Beitrag schreiben zu wollen war das ich besonders dreiste Anfragen von diversen Agenturen, Verlagen oder auch Autoren bekommen habe, wie jetzt auch.

Dreist, fragt ihr euch? Ja, dreist. Denn der gemeine Buchblogger wird gerne als Kuh angesehen die man Melken kann wie man will und dafür keine (oder kaum) Gegenleistung erbringen muss. Warum ich den Artikeln nun doch fertig stelle und veröffentliche, weil es wieder schlimmer wird. Man will auf unsere Kosten die große Kohle machen und dem Blogger wird nicht mal eine Entschädigung angeboten.

Entschädigung, fragt ihr euch sicher jetzt. Ja, Entschädigung. Denn das was Blogger machen ist Arbeit. Sie investieren ihre Zeit und oft auch Geld um ihren Blog zu betreiben und um Bücher oder was auch immer zu bewerben. Viele Unternehmen denken, es ist ein Hobby und sie haben recht, aber warum wird den Bloggern dann nicht eine Aufwandsentschädigung angeboten? Ich benötige nur für das Schreiben einer Rezension, je nachdem wie gut sie mir von der Hand geht, zwischen 1,5 und 3 Stunden. Manche sogar noch länger wenn es ein Buch ist, welches mir nicht so gut gefallen hat oder wo evtl. noch extra Fotos gemacht werden. Oder was auch immer. Die Lesezeit bzw. Hörzeit rechne ich gar nicht ein. Natürlich muss ein Blogger in dem Moment wo er Geld annimmt ein Gewerbe anmelden und seine Steuern zahlen. Es wird immer behauptet: „Es ist ja dein Hobby“. Und ja verdammt, es ist mein Hobby aber ich erreiche mit diesem Menschen die anschließend ein Produkt kaufen. Ich mache somit Werbung und Werbung muss bezahlt werden. Oder machen Fernsehsender, Zeitungen oder wer auch immer kostenlos Werbung? Oft wird uns Blogger gegenüber argumentiert das wir ja ein Buch kostenfrei bekommen, weil wir es besprechen dürfen. Ich weiß ja nicht wie es bei euch ist, aber mit Rezensionsexemplaren kann ich keine Miete zahlen, die Zeit die ich verblogge könnte ich auch Geld verdienen gehen. Denn je Woche sitze ich sicher 15 Stunden um Content für diesen Blog zu schaffen. Angefangen beim Lesen/Hören von Büchern, Mails lesen, Buchvorschauen durchschauen, neuen Lesestoff suchen, Beiträge schreiben, Blogpflege, Social-Media-Kanäle bespielen usw. usf.

Aber was genau regt mich auf? Ich möchte bei den Verlagen anfangen. Viele Verlage Fragen bei uns Bloggern an ob wir Bücher für sie Rezensieren. Natürlich freuen wir uns, wenn wir Bücher gestellt bekommen, denn Bücher kosten Geld und viele Blogger lesen Mengen im Jahr weg wo sie eigentlich einen Zweitjob brauchen oder es nur über eine Bücherei möglich wäre das Ganze zu finanzieren. Aber warum bieten Verlage neben dem Titel nicht auch eine finanzielle Entschädigung an? Es gibt Portale in denen große Verlage Geld für Rezensionen anbieten. Natürlich nach Reichweite und so soll es auch sein. Denn Werbeanzeigen, egal wo, bezahlen sie ja auch. Wir Blogger sind nichts anderes als Werbemedien.

Bei den Agenturen empfinde ich es momentan als besonders dreist. Sie lassen sich für einen Auftrag bezahlen und suchen sich dann Blogger die dann, oft im Rahmen von Blogtouren, kostenfrei einen Beitrag schreiben. Sie bekommen natürlich das Buch zur Verfügung gestellt. Natürlich hat die Agentur auch Arbeit, Akquise, Erstellung von Bannern für die Blogtour, Vorgabe der Themen (wobei hier bei mir das Gefühl sich eingeschlichen hat, dass es eh immer dieselben Themen sind) und Vorgabe wann was online geht bzw. die allgemeine Koordination. Die Blogger investieren hier Zeit, besprechen das Buch oft sogar zweimal in dem Fall, verlinken auf ihren sozialen Medien jeden Tag den Beitrag der anderen. Die Agentur nutzt also täglich die Reichweite von mehreren Bloggern (meist 5-7) und das für umsonst. Müsste sie selbst Werbeanzeigen schalten, oder gar auf Facebook Reichweite bezahlen damit sie die selbe Reichweite bekommen, wäre es teurer und ihr Gewinn geschmälert. Die müssen sich doch echt denken: „Mensch was sind die Blogger doof und arbeiten für uns umsonst, während wir den fetten Gewinn einstreichen.“ Denn die Bücher werden ja vom Auftraggeber gestellt, selbst das muss von dem Geld was sie erhalten nicht mal bezahlen.

Die letzten, die kann ich noch am besten verstehen. Es sind die Autoren. Meist kommen auf einen direkt nur jene zu die keinen Verlag haben. Die Selfpublisher. Sie haben meist gar kein Budget für Werbung, müssen alles voraus schießen. Wobei es auch hier Topverdiener gibt. Sie hoffen auf die Hilfe von Bloggern, damit ihr Buch gesehen wird in der Masse an Büchern die jedes Jahr erscheint. Aber ich würde mir auch von denen wünschen, dass sie die Arbeit von Bloggern mehr schätzen, bzw. was sie dafür tun.

Es gibt natürlich bei Verlagen, Agenturen und auch Autoren sehr vorbildliche. Diese überwiegen auch. Aber leider fallen die schwarzen Schafe umso mehr auf, da sie mit einer blinkenden Leuchtreklame herumlaufen. Jeder soll für sich entscheiden ob er sich zu den schwarzen oder weißen Schafen zählt, ich hoffe aber das die besonders unverschämten irgendwann mal aufwachen aus ihrem Traum und anerkennen können das auch Blogger für ihre Arbeit mehr als einen feuchten Händedruck verdient haben.

Übrigens, für diesen Beitrag habe ich jetzt 5 Stunden gebraucht, ohne dass was ich in ersten Beitrag geschrieben habe. Rechnet mal euren Stundenlohn von eurem Arbeitgeber hoch was ihr in der Zeit verdient hättet.

 

*Update* 06.10.2016:

Gerade machte mich Hannelore von Lesegenuss auf einen ihrer älteren Artikel aufmerksam, der zu diesem Thema äußerst lesenswert ist.

2 Gedanken zu “Blogger, auf Augenhöhe mit Verlagen, Autoren und Agenturen? Von wegen!

  1. Guten Morgen!

    Hm, also teilweise stimme ich dir zu, aber nicht in allem.
    Ich sehe meinen Blog als Hobby. Punkt.
    Meine Miete bezahle ich mit meiner Arbeit und nicht mit Bücher lesen 😉

    Für mich persönlich reicht es auf jeden Fall, wenn ich Rezensionsexemplare bekomme als „Bezahlung“. Niemand zwingt mich ja, ein Buch zu lesen und es zu rezensieren. Schließlich möchte ich das Buch ja haben und lesen: das ist der Spaß an der ganzen Sache: Spaß = Hobby.

    Wenn ich Geld dafür bekommen würde, wäre es für mich eine Art Arbeit und hätte im Hinterkopf immer das Gefühl: ich muss. Und das möchte ich nicht – mir ist es lieber, mein Hobby locker und einfach zu sehen und das ganze nicht wieder an das leidige Geld zu hängen 😉

    Liebste Grüße, Aleshanee

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